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Die Ewigkeit hält manchmal nur gut 40 Jahre

(Mertesdorf) Der ab Ende der 1970er Jahre in Mertesdorf abgekippte Hausmüll muss umgeschichtet werden, weil sonst das Grundwasser in Gefahr ist. Nach der Fertigstellung der Ortsumgehung Konz-Könen wird auch alter Müll aus Saarburg dort neu deponiert.

Mertesdorf. Es riecht schon ein wenig auf dem Gelände des Entsorgungs- und Verwertungszentrums zwischen Mertesdorf und Fell, das vom Zweckverband Abfallwirtschaft im Raum Trier (ART) betrieben wird. Doch das, beeilt sich ART-Geschäftsführer Maximilian Monzel zu betonen, habe gar nichts mit dem zu tun, was links vom Fahrweg gerade vor sich geht. Sondern mit dem auf der rechten Seite. Dort wird Grüngut gesammelt und gelagert. Gegenüber liegt Hausmüll. Bis zu 40 Jahre alter Abfall. Und der riecht so gar nicht wie die heimische Mülltonne nach acht Tagen direkte Sonneneinstrahlung im Sommer. Man muss schon sehr nahe herangehen, um wenigstens einen Hauch Deponiegefühle zu bekommen.

Grundwasser bedroht
Mehrere Meter mächtig ist die Schicht, die dort zwischen 1978 und 1995 entstanden ist und eigentlich für die Ewigkeit dort vergraben bleiben sollte. Doch das Konglomerat aus Plastik, Metall, Papier, Holz, Grüngutabfällen und was sonst noch auf den Müll geworfen wurde, bedroht das Grundwasser. Bei der Eröffnung der zentralen Mülldeponie reichte es damals vollkommen aus, das unmittelbare Umfeld dort vorhandener Quellen mit einer Folie und Schotter abzudichten. Das war es auch schon. Landrat Günther Schartz ist Verbandsvorsteher des ART. Er nennt das damalige Vorgehen im Rückblick "unfassbar." Denn die fehlende Abdichtung kostet die ART etwas mehr als fünf Millionen Euro. Schließlich war es unmöglich, zu verhindern, dass Regenwasser Giftstoffe ausschwemmt, die anschließend ins Grundwasser gelangen. Die Verantwortlichen beim Abfall-Zweckverband haben sich entschlossen, die gesamten 150 000 Kubikmeter Wohlstandsmüll aus dem vergangenen Jahrtausend auszugraben und an anderer Stelle des Geländes zu lagern. Die eingesetzten Baustellenlaster - sogenannte Dumper - müssen dafür am Ende vermutlich mehr als 6000 Ladungen transportieren. Anfang kommenden Jahres soll die letzte Fuhre an ihrem Bestimmungsort wenige Hundert Meter von der bisherigen Lagerstätte angekommen sein. Viel öfter werden die LKW unterwegs sein, die nach der Fertigstellung der Ortsumgehung Konz-Könen fahren. Für den ART ist die aktuelle Umschichtungsaktion nämlich so etwas wie ein Test. Denn die frühere Hausmülldeponie Saarburg bereitet dem Zweckverband ebenfalls Kopfschmerzen. Auch dort sickern giftige Stoffe aus dem Deponiekörper Richtung Grundwasser. Die 1965 angelegte Kippe verfügt über keinerlei Abdichtung. Rund 100 LKW-Ladungen täglich werden deshalb vermutlich über Monate hinweg von der Saar aus an Konz vorbei durch Trier und über die B 52 nach Mertesdorf fahren. Insgesamt geht es um rund 300 000 Kubikmeter. Rund 15 Millionen Euro wird die Sanierung der Deponie Saarburg kosten (der TV berichtete).
Beim Test mit dem Mertesdorfer Müll aus dem Gelände unweit der Einfahrt zum Entsorgungszentrum hat der Zweckverband eine weitere Lehre gezogen jenseits der Feststellung, dass es nicht besonders stinkt. Max Monzel: Derzeit lohnt es sich nicht, den alten Abfall zu sortieren, um daraus Wertstoffe zu gewinnen. Allenfalls größere Metallteile wie Badewannen, Stahlträger oder Autoreifen würden gesammelt.
Der nach dem Abtransport des alten Hausmülls frei werdende Platz ist übrigens bereits zum Teil verplant. So soll unter anderem eine dritte Waage am Eingang gebaut werden.



Extra
Deponien: Der ART ist auch zuständig für Alt-Deponien in mehreren Gemeinden im Landkreis. In Aach (Verbandsgemeinde Trier-Land) liegen geschätzte 700 000 Kubikmeter Müll, die aus der Stadt Trier stammen. Dort besteht kein weiterer Sanierungsbedarf. Daneben werden die rekultivierte Hausmülldeponie in Hermeskeil sowie die Erdaushubzwischenlager in Kell und Zemmer-Schleidweiler betreut und überwacht. har