Sie sind hier: Startseite // Aktuelles

Laudatio Ehrenamtspreis 2017

Laudatio am 21. Januar 2017 anlässlich der Verleihung des siebten Ehrenamtspreises der Gemeinde Mertesdorf an die First Responder Kasel/Mertesdorf

von Dr. Rosemarie Cordie

Liebe Mertesdorferinnen und Mertesdorfer, verehrte Gäste von nah und fern!

Schon wieder ist ein Jahr um, ein neues Jahr angebrochen und wie in den Jahren zuvor lädt die Ortsgemeinde Mertesdorf zum Neujahrsempfang ein. Gleichzeitig verleiht die Gemeinde zum siebten Male den Ehrenamtspreis. Mit der Verleihung werden Bürgerinnen und Bürger geehrt, die sich innerhalb der Dorfgemeinschaft ehrenamtlich engagieren. Mit der Verleihung des Ehrenamtspreises im Rahmen des Neujahrsempfangs ist eine Tradition geschaffen und jedes Jahr wird mit Spannung erwartet wird, auf wen die Wahl gefallen ist. Die Auszeichnung des ehrenamtlichen Engagements Mertesdorfer Bürgerinnen und Bürger ist von großer Bedeutung für das Miteinander innerhalb der Dorfgemeinschaft und für die aktive Gestaltung des Dorflebens in unterschiedlichen Aktivitätsräumen.

Der Wandel unserer Gesellschaft schreitet schnell voran. Dass „sich Einbringen“ in die Dorfgemeinschaft, die Teilhabe am sozialen Leben in Zeiten einer immer stärker geforderten Flexibilität und Mobilität im Beruf ist nicht einfach, für viele sogar unmöglich, dies ist leider eine Begleiterscheinung unseres gegenwärtigen Lebens. Dennoch wissen wir, in unmittelbarer Nähe, im bekannten Dorf, im bekannten Lebensraum, ja die Nachbarschaftshilfe, sind für jung und alt wichtiger denn je. Aber auch weitere Veränderungen sind zu bemerken, die nicht als negativ einzustufen sind: Das ist die Dörfer übergreifende Hilfe und das Miteinander in den Vereinen.

Was sind First Responder?

Laut Wikipedia sind dies Helfer vor Ort (HvO), eine Ergänzung der . Ein Helfer vor Ort ist eine mindestens in erweiterter und i. d. R. grundlegend sanitäts- oder rettungsdienstlich ausgebildete Person, die bei die Zeit bis zum Eintreffen eines mit qualifizierten basismedizinischen Maßnahmen überbrücken soll. Im ist die Bezeichnung First Responder (Abk. FR) gebräuchlich, wörtlich übersetzt heißt dies zuerst Antwortender. Soweit Wikipedia!



Unsere Wahl für den Ehrenamtspreis 2016 fiel auf die Gruppe der First Responder Kasel/Mertesdorf, Daniel Hofmann, Fabian Huberty und Daniel Simon.

Zunächst ein paar Worte zu den zu Ehrenden:

Daniel Hofmann, 21 Jahre alt, ist seit Ende 2013, also seit Bestehen der Gruppe bei den First Respondern und hat die sie initiiert. Er absolvierte in der VG Ruwer eine Ausbildung als Verwaltungsfachwirt, seit 1. Januar 2016 ist er tätig in der ADD, Abteilung Katastrophen- und Brandschutz, bereits während der Ausbildung ehrenamtlich tätig. Er ist Gründer der First Responder-Gruppe Kasel/Mertesdorf, die zu Anfang integriert war bei der VG Ruwer und dem DRK-Katastrophenschutz. Ein erster Aufruf hatte zunächst wenig Resonanz, erst ein Aufruf im Amtsblatt und die Unterstützung des Verbandsbürgermeisters Busch brachte die notwendige Aufmerksamkeit und den gewünschten Erfolg.

Fabian Huberty ist ebenfalls 21 Jahre jung, und seit 2016 dabei, also noch recht neu im Team und noch in der Ausbildung. Z.Z. ist er in der Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei den Stadtwerken Trier.

Daniel Simon zählt 30 Jahre und ist seit 2015 dabei. Er ist ausgebildeter Elektriker, seit 1. Mai 2013 tätig als Berufsfeuerwehrmann bei der Berufsfeuerwehr Trier. Nach der Ausbildung war er zunächst Zeitsoldat bei der Bundeswehr mit Einsätzen als Brandschutzsoldat im Kosovo und Afghanistan von insgesamt 17 Monaten.

Die Gruppe der First Responder wurde also 2013 gegründet. Zur Gruppe gehörte zunächst auch Alexandra Timm, die Familienbedingt z.Z. einen inaktiven Status hat.

Die Einsätze der First Responder waren zunächst alle freiwillig und auf ehrenamtlicher Basis und vor allem ohne finanzielle Unterstützung. Alles für Einsätze Notwendige wurde privat finanziert, also der komplette Rucksack samt dem ganzen Material. Das Equipment eines Rucksacks oder „Werkzeugkoffers“ sieht folgendes vor: Verbandsmaterial, für die Diagnostik Pupillenleuchte, Blutdruckmessgerät, Stethoskop, Beatmungsgerät, Tuben, Infusionsgerät und Zugänge, Halskrause, mobiler Gips – ein schweres Paket zum Tragen!

Dann spendeten Angehörige eines Verstorbenen in Kasel 3.500 EUR, die zur Anschaffung weiteren Equipments eingesetzt werden konnten. Inzwischen hat die VG Ruwer 5.000 EUR in den Haushalt eingestellt für 5 Gruppen der First Responder innerhalb der VG Ruwer. Die Einsätze der First Responder werden mit Privat-Fahrzeugen gefahren, jeder hat einen Sanitäts- oder Notfallkoffer in seinem Wagen. Inzwischen gibt es etliche Verbesserungen, die die Einsätze ein wenig erleichtern.

Integriert sind die First Responder jetzt in der Feuerwehr der VG Ruwer und speziell die drei bei der Feuerwehr Mertesdorf, nachdem sie zunächst einem Konstrukt aus Feuerwehr und DRK zugeordnet waren.

Nur als Einschub zum Verständnis: die Feuerwehr Kasel hat aktuell ca. 25 aktive Mitglieder, ebensoviele hat die Feuerwehr Mertesdorf.

Wie wird man First Responder?

Da ist als erstes eine Ausbildung von 3 Monaten als Rettungssanitäter oder Rettungsassistent, natürlich ehrenamtlich, und selbstredend jährliche Fortbildungen. In Zukunft wird es eine Ausbildung als Notfallsanitäter sein mit einer Ausbildungszeit von 2 Jahren.

Wie erkennt man die First Responder?

Nachdem zunächst keine Einsatzkleidung vorhanden war und damit natürlich auch oftmals große Unsicherheiten bei den Einsätzen bestanden, zählt zu den Verbesserungen auch eine rein optische: eine einheitliche Einsatzkleidung in leuchtenden, gut sichtbaren Farben und zusätzlichen Reflexstreifen.

Wann kommen die First Responder?

Man kann die First Responder nicht einfach so anrufen, nach dem Motto: och den Jung kenn‘ ich, der kann mir mal helfen, sondern der Einsatz läuft immer über den Notruf 112, also auch wenn ein First Responder bekannt ist. Unter dem Notruf 112 wird eine integrierte Leitstelle erreicht, und der dort diensthabende Disponent entscheidet über die Einsätze der jeweiligen First Responder, es ist eine so genannte Zufallsbereitschaft. Das heißt aber auch: allzeit bereit und die Entscheidung Ja oder nein!

Ein kurzer Einblick in die Einsätze der First Responder-Gruppe Kasel/Mertesdorf im vergangenen Jahr gibt ein wenig das Einsatzspektrum wieder:

Die Gruppe wurde in 2016 55 Mal alarmiert mit 40 internistischen, 5 chirurgischen Notfällen, 9 Verkehrsunfällen und einer Bereitstellung beim Einsatz der Feuerwehr. Jahreszeitlich bedingt fallen in den Wintermonaten mehr Einsätze an.

Nun die Frage, die wahrscheinlich viele interessiert:

Warum machen die das? Haben die Jungs zu viel Freizeit? Gar ein Helfersyndrom? Hunger nach Action?

Wohl kaum. Alle drei gehen im „normalen“ Leben Berufen nach, die ebenfalls viel Kraft erfordern. Und, sind wir ehrlich, niemand findet es wirklich prickelnd stets in Bereitschaft zu sein und sich die Nächte um die Ohren zu schlagen. Oben auf der B 52/L151 oder im Ruwertal bei Regen und Schnee im Einsatz zu sein und das gilt ja auch für die Feuerwehrmänner und –frauen erfordert Mut, Nervenkraft und Überwindung von Ängsten.

Die Drei sagen übereinstimmend, dass sie diese Einsätze als Nachbarschaftshilfe ansehen, dass sie sich über ein einfaches Danke schön nach einem Einsatz freuen, über Respekt und Wertschätzung für ihr Tun und ihre Hilfe.

Diesen Respekt und die Wertschätzung bringt Ihnen in diesem Jahr die Gemeinde Mertesdorf entgegen und verleiht Ihnen den Ehrenamtspreis des Jahres 2016 in Anerkennung ihrer ehrenamtlichen Arbeit.

Wir haben ja bereits gehört, dass viel privater freiwilliger und finanzieller Einsatz der First Responder normal ist. Dies könnte ein wenig abgefedert werden durch zusätzliche Spenden.

Zwar gab es in den beiden letzten Jahren bereits viele Verbesserungen und Neuanschaffungen, die die Arbeit der First Responder erleichtern, z.B. eine Spinebord, um nach einem Verkehrsunfall Personen möglichst schonend aus dem Fahrzeug zu bekommen oder eine Sauerstoffflasche mit Transporttasche und ein Defibrillator (AED). Und dennoch müssen ständig die Notfallkoffer auf den Inhalt hin überprüft und Material ausgetauscht werden. Nach den Einsätzen können sich die Ersthelfer zwar aus dem Rettungswagen das verbrauchte Material herausnehmen, aber oftmals wurde soviel verbraucht, dass eine Entnahme des letzten Materials nicht angezeigt ist, die Rettungshelfer helfen sich immer gegenseitig.

Weitere Kosten entstehen beispielsweise durch den notwendigen Austausch von Elektroden, deren Kosten bei ca. 50 € liegen und die maximal 1,5 Jahre halten. Ein weiterer Kostenfaktor ist das Auffüllen der Sauerstoffflaschen.

Der ganz große Wunsch unserer First Responder sind neue Notfallrucksäcke, einheitlich und einsatztauglich und gut strukturiert, so dass jeder quasi blindlings weiß, wo was untergebracht ist.

Deshalb auch bei dieser Gelegenheit am heutigen Abend der Aufruf. Wenn Sie spenden möchten (Konto bei der VG Ruwer), dann aber bitte mit dem Zusatz First Responder Kasel/Mertesdorf. Steht kein Zuwendungsempfänger geht die Spende natürlich nicht verloren, sondern wird eingesetzt für die 5 Gruppen im Ruwertal.

Und damit zum Abschluss nochmals herzliche Glückwünsche an Daniel Hofmann, Fabian Huberty und Daniel Simon zum Ehrenamtspreis 2016 der Gemeinde Mertesdorf und Danke für Eure soziale, sicherlich nicht leichte engagierte Arbeit im Dienst an den Mitmenschen in Mertesdorf und im Ruwertal.