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Neujahrsansprache 2017

Einen wunderschönen guten Abend, liebe Mertesdorferinnen und Mertesdorfer, liebe Gäste.

Herzlich willkommen zum Neujahrsempfang der Ortsgemeinde Mertesdorf. Herzlich willkommen dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ruwer, Herr Bernhard Busch, herzlich willkommen Herrn Dirk Bootz, Beigeordneter der Gemeinde Kasel. Besonders freue ich mich, heute Abend als unseren Gast seine Exzellenz Dom Jacinto Bergmann, den Erzbischof von Pelotas, Rio Grande do Sul, Brasilien, begrüßen zu dürfen, der wieder zu einem Besuch in Mertesdorf weilt. Schön, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind und den Abend mit uns verbringen. Herzliche Grüße darf ich Ihnen ausrichten von Herrn Pfarrer Ralf -Matthias Willmes, der leider heute Abend verhindert ist. Herzlich willkommen sage ich meinem Amtsvorgänger Erich Griebeler und seiner Frau Ursula.

Ich freue mich sehr, dass das Ensemble Contrapunto dieses Jahr wieder bei uns ist und unseren Abend musikalisch gestaltet. Herzlich willkommen liebe Sängerinnen und Sänger, der Einstand war schon vielversprechend, ich bin sicher, dass es im Programm furios weitergehen wird.

Meine Damen und Herren begrüßen wir die Ehrengäste und Preisträger des heutigen Abends, die Mitglieder der First Responder Mertesdorf/Kasel, als da sind, die Herren Daniel Simon, Daniel Hofmann und Fabian Huberty. Herzlich willkommen Euch und euren Begleitern.

Also eins muss ich nun doch loswerden meine Damen und Herren: als ich letztes Jahr zum Neujahrsempfang zum Bürgerhaus fahren wollte, war das selbst mit Navi im Auto ein Abenteuer. Die Hauptstraße von unten herauf ging ja, aber in der Mitte etwa war Schluss, kein Durchkommen.

Heute konnten Sie und ich auf einer befestigten Straßendecke in weichen Kurvenlinien geradezu zum Bürgerhaus gleiten…

Gut, sie ist noch nicht ganz fertig, unsere neue Ortsdurchfahrt, aber wir sind auf dem besten Weg zu einer schönen ebenmäßigen Straße, wie man das an einigen Teilabschnitten bereits sehen kann.

Im Frühjahr - das ist die gute Nachricht- ,wird der Straßenbau dann endgültig vollendet sein, allerdings nur an dieser Stelle: Straßenbau und Kanalsanierung werden uns auch in den nächsten Jahren noch beschäftigen: die Bohnenwies, die Straße Am Wenigbach, der Altdorfbereich stehen auf dem Sanierungsprogramm; im Neubaugebiet Johannisberg II wird der Endausbau stattfinden und das Baugebiet Johannisberg III wollen wir 2017 erschließen.

Es kommen also noch einige Zumutungen und auch Kosten auf Sie zu. Dafür wird die Gemeinde und damit auch Sie alle mit einem modernen Kanalsystem und neuen Straßen und Beleuchtung versorgt sein. An dieser Stelle möchte ich Ihnen danken für die Geduld und das Verständnis, das Sie bisher aufgebracht haben.

Die uns Mertesdorfern vertraute Hauptstraße hat sich in der Straßenführung leicht verändert, hinzugekommen sind Verengungen, wo vorher keine waren, an anderer Stelle wurden sie aufgehoben. Hinzugekommen sind Bepflanzung, neue Markierungen, neue Querungsmöglichkeiten. Die Benutzung unserer neuen Ortsdurchfahrt erfordert von uns allen jetzt eine erhöhte Aufmerksamkeit.

Wie überhaupt in unserem Land und in der Welt vertraute Wege, die ursprüngliche Straße, die alte Richtung mit der vertrauten Landschaft rechts und links, sich geändert haben.

Mit dem Ende des Jahres 2016 meinten viele, die Welt sei aus den Fugen geraten. Krieg in Syrien, im Jemen und in der Ukraine, Terror überall auf der Welt, die EU taumelt, die Türkei verabschiedet sich langsam von der Demokratie, Großbritannien auf Abwegen.

Und wir? Auch Deutschland hat im Dezember jetzt den Terror zu spüren bekommen.

Aber unser Land ist trotzdem nicht aus der Spur geraten. Keine Sorge, ich will hier jetzt nicht „die gute Fee“ geben.

Aber auch das war Deutschland 2016: nie waren in Deutschland so viele Menschen in Arbeit, Rentner bekommen 4 % mehr, der Mindestlohn steigt und die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge ist dramatisch gesunken.

Die Flüchtlingsfrage war nach wie vor das Thema und sie wird uns noch lange beschäftigen.

Meine Damen und Herren, wir erleben eine Zeit, in der abseits der eingefahrenen Wege neue Möglichkeiten, aber auch große Risiken und Unsicherheiten vor uns liegen.

Charles Darwin erkannte: „Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel“. Aber dieser Wandel in der Welt, der derzeit im Gang ist, verunsichert uns mit seiner Geschwindigkeit auch zutiefst.

Das Jahr 2016 hätte uns eigentlich zeigen sollen, dass nicht alles gut, aber auch nicht alles schlecht ist. Doch im politischen Diskurs gab es fast nur schwarz oder weiß: entweder man war

für oder gegen Flüchtlinge und Flüchtlingspolitik, für oder gegenTrump, für oder gegen Russland,für oder gegen die AFD

Klischees und Polemik tauchen überall vermehrt auf: in der Politik, den Medien und im privaten Umfeld.

Da fahren viele lieber zurück in die eigene Garage und schließen das Tor. Einige bei uns und in Europa haben das schon getan und was aus den USA kommt, haben wir gestern vom neuen Präsidenten Trump gehört: „America First“.

Ich glaube, wenn unsere gewohnten Fahrtrouten plötzlich nicht mehr existieren, können wir nicht einfach in die Garage fahren und das Tor schließen, auch wenn das Gelände um uns herum unwirklich wird. Wir sollten vielmehr schleunigst andere Fahrerqualitäten erlernen, vor allem einen neuen scharfen Orientierungssinn entwickeln.

Unser Land wird 2017 wahrscheinlich nur stark bleiben, wirtschaftlich wie politisch, wenn es sich nicht spalten lässt, wie viele Gesellschaften in europäischen Ländern und den USA.

Das setzt voraus, dass man in der politischen Ausenandersetzung für seine Meinung nicht gleich abgestempelt oder abgekanzelt wird, in der einen, wie in der anderen Richtung.

Bleiben wir kritisch, auch selbstkritisch und überdenken wir unsere Ansichten immer wieder. Hinterfragen wir ständig, was uns von allen Seiten, von Politik, der Presse oder dem Internet präsentiert wird.

Vor allem müssen wir wieder differenzieren, es gibt nicht nur schwarz und weiß, dazwischen gibt es viele Grautöne.

Zuhören ist von uns gefordert und gesunder Menschenverstand, angesichts der Flut von angeblich einfachen und schnellen Lösungen für komplexe Probleme, die uns täglich präsentiert und suggeriert werden.

Eigenes Engagement, Interesse und Teilnahme im und am öffentlichen Leben sind wichtig für unsere Demokratie, auch im Kleinen, auch in unserer Kommune. Nur so bleiben wir offen für neue Perspektiven und Wege.

Wir im Gemeinderat, als ihre gewählten Vertreter, brauchen ihr Interesse an unserer Arbeit. Über ihre Teilnahme an unseren Ratssitzungen und den gemeindlichen Veranstaltungen freuen wir uns. Wir möchten, dass sie wissen, was wir in der Gemeinde tun und wie wir es für Sie tun. Leider – und das beklagen auch meine anderen Ortsbürgermeisterkollegen, ist unsere Zuhörerschaft bei den Sitzungen bei über 1700 Einwohnern oft auf 2-3 Teilnehmer begrenzt, es sei denn ein Einzelpunkt ist einmal von Interesse.

Aber gerade der Austausch von Argumenten und Meinungen untereinander und damit die Möglichkeit, andere auch zu überzeugen, ist doch das Vorfahrtsschild, dass wir zu allererst aufstellen müssen. Der respektvolle Umgang miteinander, der Respekt vor der Person des anderen, sei es in der persönlichen Auseinandersetzung oder in den sozialen Netzwerken ist dabei auf allen Ebenen ein Muss.

Deshalb müssen auch rote Ampeln und Stoppschilder deutlich sichtbar angebracht werden, wenn es um Hass und Hetze geht, wie die neuerlichen verbalen Entgleisungen eines Herrn Höcke gerade wieder zeigen.

Wir müssen uns überlegen, wo die Reise eigentlich hingehen soll: Nach „America First“ ist ein einiges Europa wichtiger denn je.

Wir haben jede Menge Arbeit vor uns und wir müssen sie anpacken, wenn der Motor unserer freiheitlichen Gesellschaft am Laufen bleiben soll. Und seien wir ehrlich, wir empfinden das oft als viel zu mühsam.

Aber Demokratie ist mühsam und es geht bisweilen langsam, gerade weil immer wieder Kompromisse ausgehandelt werden müssen. Manchmal geht es 2 Schritte vor und einen wieder zurück.

Aber im Ergebnis hat sich unser Land und unsere Gemeinde innerhalb unserer freiheitlichen, rechts- und sozialstaatlichen Leitplanken doch immer weiter vorwärts bewegt.

Ehrenamtliches Engagement ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Deckschicht, die diese unsere Straße formt und festigt: ehrenamtliches Engagement nimmt glücklicherweise immer noch kontinuierlich zu, auch und besonders bei jungen Menschen, wie bei den Preisträgern 2016, die wir gleich auszeichnen werden.

Wir in Mertesdorf vergeben seit 2009 einen Ehrenamtspreis und wir wollen damit öffentlich deutlich machen: wirklich mündige Bürgerinnen und Bürger übernehmen Verantwortung. Sie warten nicht darauf, dass andere handeln. Sie parken nicht auf dem Standstreifen oder fahren in die Garage und schließen das Tor.

Sie sehen, wo aus unterschiedlichsten Gründen Ideen, Engagement und Hilfe gebraucht werden und sie handeln und helfen. Sie zeigen, wir sind für einander da und übernehmen für einander Verantwortung. Sie stärken so den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und in unserem Ort.

Solche Menschen haben wir heute viele hier im Saal, Menschen, die sich einbringen: das reicht vom wöchentlichen, offenen Seniorentreff, über das Engagement in unseren verschiedenen sportlich ausgerichteten Vereinen, von der Freiwilligen Feuerwehr, der Bücherei, dem Vorleserdienst, der Gemeindepartnerschaft, der Organisation von Martinsmarkt und Martinszug, von kulturellen Veranstaltungen, wie Konzerten und Puppentheater im Bürgerhaus, vom Engagement in der Flüchtlingsarbeit, in der Jugendarbeit, im sozialen Bereich, im politischen Bereich im Gemeinderat und in der Kirche.

Ehrenamt ist bei weitem keine Sonntagsfahrt: oft heißt es, sich auf heißes Pflaster zu begeben es ist nicht so einfach den richtigen Ton zu treffen im Umgang mit den vielen Menschen, ihren Meinungen, ihren Emotionen, in den vielen verschiedenen Situationen auf die man als Ehrenamtler im jeweiligen Umfeld trifft.

Es braucht Organisationstalent, um Projekte auf die Beine zu stellen und einen langen Atem, um sie am Leben zu halten.

Ehrenamt ist dabei keine Einbahnstraße: vieles ist selbstlos. Aber es ist auch Entfaltung des eigenen Lebens, der eigenen Persönlichkeit und das gute Gefühl, das Richtige zu tun.

„Wir können nicht alles tun, aber wir müssen tun, was wir können“ hat Bill Clinton einmal gesagt.

Wie sonst wäre es möglich, meine Damen und Herren, das aus ehrenamtlichem Engagement heraus in unserer Gemeinde Mertesdorf zum 52.ten Mal die Sternsingerkinder durch den Ort gezogen sind, zum 41. mal ein Basar stattfindet, die Gemeindepartnerschaft mit St.Just-la-Pendue 2016, das 20-jährige Jubiläum feierte und die Bücherei seit über 35 Jahren betreut wird, ganz zu schweigen vom Engagement all unsere anderen Ortsvereine die meist noch viel länger bestehen und ihrer Mitglieder dort.

Dafür, meine sehr verehrten Damen und Herren, „dass sie getan haben, was sie konnten“ und es weiter tun und damit so viel bewegt haben und noch bewegen, dafür gebührt Ihnen hier und heute mein und unser aller Respekt. Respekt für ihre Motivation, ihr Durchhaltevermögen und ihr Können.

Dafür sagen wir mit dem Ehrenamtspreis heute 3 jungen Männern von ihnen besonders Dankeschön!!

Der Gemeinderat hat beschlossen, nicht nur das Lebenswerk von ehrenamtlich engagierten Mitbürgern auszuzeichnen, sondern auch junge Leute, die sich in besonderer Weise für andere einsetzen. Unsere 3 First Responder sind Ersthelfer, ausgebildete Rettungssanitäter und als Erste vor Ort, wenn in unserer Gemeinde Unfälle oder Krankheitsfälle passieren. Eine große Verantwortung, die sie bereit sind, zu übernehmen. Deshalb rücken wir sie in den Fokus, weil sie auch anderen Mut machen, sich ebenfalls einzubringen. Und Ratsmitglied Dr. Rosemarie Cordie wird die 3 jungen Männer gleich in der Laudatio näher vorstellen.

Meine Damen und Herren,

wir leben in einer Zeit der Krisen, des Wandels und des Umbruchs. Demokratie bleibt für uns alle anstrengend, aber wenn Sie mich fragen, wo 2017 der beste Platz zum Leben ist, dann sage ich hier, in Deutschland.

Damit das so bleibt, lassen Sie uns aufmerksam nach den richtigen Wegweisern in die Zukunft Ausschau halten!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen Gottes Segen für ein gesundes erfolgreiches und glückliches Jahr 2017.