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Neujahrsempfang 2018

Laudatio am 21. Januar 2017 anlässlich der Verleihung des achten Ehrenamtspreises der Gemeinde Mertesdorf an Frau Agnes Busemeyer

von Dr. Rosemarie Cordie



Liebe Mertesdorferinnen und Mertesdorfer, verehrte Gäste, und vor allem liebe Frau Busemeyer und liebe Familie Busemeyer!

Später als üblich treffen wir uns heute, Ende Januar, zum Neujahrsempfang der Gemeinde Mertesdorf und zur Verleihung des diesjährigen Ehrenamtspreises. Zum achten Male zeichnet die Gemeinde Mertesdorf mit dem Ehrenamtspreis eine Bürgerin aus, die sich um den Ort Mertesdorf und seine Einwohner verdient gemacht hat. Im Gemeinderat fiel unsere Wahl auf Frau Agnes Busemeyer, zum einen für ihr Engagement als demokratisch engagierte Bürgerin und zum zweiten für ihr jahrzehntelanges kulturelles Engagement innerhalb der Gemeinde Mertesdorf vor allem, wenn es um die Dorfgeschichte, Hausnamen, Wegekreuze und Steine geht.

Frau Busemeyer ist „Zugezogene“ durch Heirat mit dem Mertesdorfer Werner Busemeyer im Jahre 1949. Sie stammt von der anderen Seite des Grünebergs, wo ihr Vater Weinbaudirektor in der Avelsbacher Domäne war. Der Gang über den Grüneberg war also stets normal. Weinbau prägte das Leben; von Frau Busemeyers Familie wurde der Johannisberg als Weinberg angelegt.

Frau Busemeyer betont, dass sie in Mertesdorf sehr gut aufgenommen wurde, sie lebte sich hervorragend ein und pflegte viele Kontakte, u.a. mit den Schwestern Kimmling.

In die Familie wurden drei Söhne geboren. Ihr Mann starb leider sehr früh und sie musste drei Jungen alleine großziehen. Eine schwere Bürde zu einer Zeit als die gesellschaftliche Stellung alleinerziehender Frauen noch eine ganz andere war als heute.
Das Nichtstun ist nicht Frau Busemeyers Sache und so engagierte sie sich schon sehr früh im Dorf. Anfang der 1950er Jahre existierte bereits ein Kindergarten in Mertesdorf, der sogenannte Erntekindergarten, 1960/61 setzte sie sich bei der Einrichtung der Bücherei ein, sie begründete die Mertesdorfer Volkshochschule mit, wo z.B. Nähkurse, Töpferkurse, aber auch Theaterfahrten organisiert wurden. Heute hat solches Tun den klangvollen Namen: Kulturelle Teilhabe für alle.

Frau Busemeyer engagierte sich in der Pfarrei. Vor allem arrangierte sie zusammen mit Dr. Bohlen große Fahrten in den Nahen Osten, nach Israel, Jordanien und den Libanon. Mir wurde erzählt, dass es von diesen Reisen bebilderte Reiseberichte gibt, natürlich von Frau Busemeyer angefertigt, gute Erinnerungen an Orte, die heute z.T. nicht mehr besucht werden können. Frau Busemeyer ließ das Herdensingen an der Weinbergmauer vor der Marienstatue wiederaufleben, doch leider wurde es 2015 wiedereingestellt.

Aber seit 2000 steht die Statue der Muttergottes, die zuvor über dem Weinberg des Johannesbergs ihren Platz hatte, in einer Nische der Weinbergmauer und ist der Treffpunkt für die Singgemeinschaft gewesen. Die Nische war im zweiten Weltkrieg der Eingang zum Bergstollen, wo in den letzten Kriegstagen viele Mertesdorfer Schutz suchten. Die Statue selbst, so wurde Frau Busemeyer berichtet, ist möglicherweise ein Probeguss der Mariensäule auf dem Markusberg von Trier.

Seit 1959 verfolgt Frau Busemeyer das Dorfgeschehen auch fotografisch. In zahlreichen Fotos hat sie den Werdegang des Ortes Mertesdorf dokumentiert. Vielfach hat sie in Abständen von 30, 20 oder 10 Jahren die Umgestaltung mancher Straßenzüge, wie z.B. der Oberstraße oder des Dorfplatzes Winzergenossenschaft/Gemeindehaus/ festgehalten wie auch die Veränderungen an den Häusern oder die Erschließung der Baugebiete, vor allem das Baugebiet Johannisberg. Noch heute ist Frau Busemeyer unterwegs auf Forscher- und Entdeckertour nach Wegekreuzen, ungewöhnlichen Steinen usw. mit anderen Interessierten aus Mertesdorf.

Das Interesse an und ihr kenntnisreiches Wissen um die Dorfgeschichte hat sich dann natürlich auch in der 1993 anlässlich der 1100 Jahrfeier erschienenen Ortschronik niedergeschlagen. Frau Busemeyer war stark beteiligt und verfasste mehrere Beiträge, etwa zu Mertesdorf vom Ende des letzten Krieges bis zur Gegenwart, zu Alte Geräte und ihre Namen, Hausnamen in Mertesdorf oder Versuch einer Deutung der Flurnamen.

Das ist nun der eine, der kulturell geprägte Teil des Interesses von Frau Busemeyer. Der zweite Teil betrifft ihr kommunales bürgerschaftliches Interesse bzw. Engagement.
In jeder Gemeinderatssitzung gibt es einen öffentlichen und einen nichtöffentlichen Teil. Und unsere Bürgermeisterin schließt den ersten Teil mit den Worten „Der öffentliche Teil der Gemeinderatssitzung ist zu Ende und wir verabschieden die zahlreich erschienene Öffentlichkeit“. Frau Busemeyer greift ihren Block und ihren Stift und verlässt den Raum, und oft genug stellt sie als einzige die „zahlreich erschienene“ Öffentlichkeit dar.
Doch bei den Gemeinderatssitzungen steht als erster Tagesordnungspunkt unter Mitteilungen auch die Einwohnerfragestunde. Ja und hier bemerken wir immer wieder das wachsame Auge von Frau Busemeyer auf das, was im Dorf vor sich geht, ihre gelegentlich mahnende Stimme, ihre manchmal inquisitorischen Nachfragen und Anfragen zu einem bestimmten Sachverhalt oder immer noch nicht ausgeführten Ratsbeschlüssen. Wir wundern uns immer wieder, was Frau Busemeyer alles auffällt. Natürlich ist es für die Ratsmitglieder mitunter unbequem, natürlich denken wir manchmal, das hatten wir doch schon oft, natürlich ist es nicht angenehm immer wieder auf Missstände hingewiesen zu werden und dennoch, Frau Busemeyer, ist für den Rat der Gemeinde der Blick von außen wichtig und es zeigt auch ihr Interesse als Bürgerin an der Arbeit des Rates und ihr Interesse für die Gemeinde. Sie mischen sich ein, wo sie es für notwendig befinden, sie verfolgen als Zuhörerin aufmerksam die öffentlichen Sitzungen und nutzen im Wesentlichen die Einwohnerfragestunde, um ihr Anliegen vorzubringen.

Liebe Frau Busemeyer, seit nunmehr fast 7 Jahrzehnten leben Sie in Mertesdorf. 70 Jahre in denen sich Mertesdorf sehr verändert hat. Eine der gravierendsten Veränderungen ist sicherlich der Wechsel von einer durch den Weinbau und der Landwirtschaft geprägten Dorfgemeinschaft zu einer Gesellschaft, deren Arbeitsplätze überwiegend außerhalb von Mertesdorf liegen, in der Stadt Trier oder in Luxemburg. Mit dem Wachsen des Dorfes, mit der Entwicklung neuer Baugebiete kamen und kommen wesentlich mehr Leute von außerhalb. Die dadurch bedingten Veränderungen sind in der Dorfstruktur wie im gesellschaftlichen Miteinander sichtbar und bemerkbar.
Umso wichtiger sind Ihre Beobachtungen dieser Veränderungen in Mertesdorf, ihre fotographische und schriftliche Dokumentation über die vielen Jahre hinweg. Es geht hier nicht ums Bewahren von „altem Krempel“, es geht um die Erinnerungskultur für die jüngeren wie die älteren Generationen, für ein gedeihliches Zusammenleben von Jung und Alt, von Einheimischen wie Zugezogenen und dies in demokratischen Strukturen in stetem Diskurs.

Das, liebe Frau Busemeyer, machen Sie seit vielen Jahrzehnten. Wir danken Ihnen für ihr bürgerschaftliches Engagement und die Wahrnehmung demokratischer Grundrechte, die aufmerksame Begleitung des Gemeinderates und für ihre vielfältigen Aktivitäten im kulturellen Bereich, die hier in ihrer Vielzahl nur exemplarisch angesprochen wurden. Dafür verleiht Ihnen die Gemeinde Mertesdorf den diesjährigen Ehrenamtspreis. Sie sind uns geschätzte Mitbürgerin und wir hoffen, dass wir Sie noch lange in unserer Dorfgemeinschaft haben und Sie noch an vielen Gemeinderatssitzungen teilnehmen können.

Herzlichen Glückwunsch Frau Busemeyer!