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Neujahrsansprache der Ortsbürgermeisterin am 27.01.2018

Einen wunderschönen guten Abend meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Mertesdorfer, verehrte Gäste,

Theodor Fontane hat einmal gesagt: » Der Anfang ist immer das Entscheidende, hat man es darin gut getroffen, so muss auch der Rest gelingen.«
Wie recht er hat!

Vielen Dank und herzlich willkommen dem Kammerorchester des Humboldt Gymnasiums Trier unter der Leitung von Frau Wessel für die wunderbare Eröffnung dieses Abends. Zwei Mertesdorfer sind unter den Musikern, Frau Sanda Breiling am Klavier und Michael Bürger bei den Geigern. Ganz herzlichen Dank, dass Sie unseren festlichen Abend musikalisch umrahmen.

Herzlich willkommen sage ich dem Beigeordneten der Verbandsgemeinde Ruwer und Bürgermeister unserer Nachbargemeinde Kasel, Herrn Karl Heinrich Ewald, der unsere neugewählte Bürgermeisterin Stefanie Nickels vertritt. Sie werden noch ein Grußwort an uns richten.

Ich begrüße meinen Amtsvorgänger Erich Griebeler und seine Frau Ursula.
Ich begrüße die Damen und Herren des Gemeinderates Mertesdorf und die Damen und Herren Vereinsvorsitzenden.

Begrüßen wir den Ehrengast des heutigen Abends, Frau Agnes Busemeyer. Herzlich willkommen liebe Frau Busemeyer, Ihnen und Ihrer Familie. Unser Ratsmitglied Dr. Rosemarie Cordie wird Ihnen, meine Damen und Herren, später in der Laudatio das ehrenamtliche Engagement unserer diesjährigen Preisträgerin näher vorstellen.

Seien Sie mal ehrlich meine Damen und Herren: Wenn ihre Kinder oder Enkelkinder sie einmal fragen werden was eigentlich 2017 so passiert ist, werden sie dann sagen, Prinz Harry bekannte sich zu seiner großen Liebe? Wohl kaum.

Wir erinnern uns an u.a. an einen gewalttätigen G 20 Gipfel in Hamburg, an einem Präsidenten Trump mit seinem » America first«, an den Diktator Nordkoreas, der mit seinen Atomraketen droht und » America first« ganz anders versteht, an inhaftierte Journalisten in der Türkei, an das Jahr der Wahlen in Deutschland, an die Ehe für alle, massenhaft Bombenanschläge und Tote in der ganzen Welt usw.
Welches Thema vermuten Sie, hat die Deutschen im Jahr 2017 am meisten bewegt? Google Suchtrends gibt uns die Antworten.
Die Deutschen googleten am häufigsten das Suchwort » WM Auslosung«. Dieses Suchwort faszinierte die Menschen in Deutschland so sehr, dass der Begriff in Googles Statistiken rasant an die Spitze kletterte. Wieder einmal also machte König Fußball das Rennen.
Aber ich freue mich, dass es unter die Top 10 der meisten Suchbegriffe immerhin das Wort Wal-O-Mat auf Platz drei und die Bundestagswahl es sogar auf Platz zwei geschafft haben und es stimmt mich positiv, dass die Menschen sich anscheinend für Politik in Deutschland doch noch etwas mehr interessieren, als für das iPhone 8 (Platz vier der Suchliste) das Dschungelcamp (Platz fünf der Suchliste) oder Donald Trump (Platz 9 der Suchliste).

Auch das Unwort des Jahres 2017 »Fake News« hat einen politischen Hintergrund, ebenso wie das Wort des Jahres 2017, nämlich »Jamaika – aus« , von der Jury der Deutschen Gesellschaft für die deutsche Sprache gewählt.

»Jamaika-aus«, »GroKo«, Minderheitsregierung … Oder doch Neuwahlen?

Seit Freitag letzter Woche wissen wir, dass CDU/CSU und SPD die Sondierungen erfolgreich beendet haben und nunmehr Verhandlungen über die Bildung einer großen Koalition aufnehmen wollen. Ein entscheidender Schritt zur Regierungsbildung, scheint geschafft zu sein …
Und doch: Deutschland hat Monate nach der Wahl noch immer keine neue Regierung, geführt wird das Land quasi kommissarisch.
Das ist eine neue Erfahrung für uns -- immer auf stabile Verhältnisse bedachten Deutschen. Seit 70 Jahren gab es so etwas nicht. Aber so langsam scheint es, gewöhnt sich die Gesellschaft daran.
Auch in unsicheren Zeiten lebt es sich Dank florierender Wirtschaft in Deutschland passabel, … vielleicht sogar ein wenig ruhiger als gewöhnlich und das Land macht, was es an sich besonders gut kann: es funktioniert.
Das gelingt vor allem wegen des stabilen Fundaments. Was wäre ein Haus ohne sein Fundament? Es wäre haltlos. Ein solides Fundament wackelt nicht und versinkt nicht. Es ist unverrückbar und fest wie ein Fels in der Brandung – egal wie stürmisch die Zeiten sind. Es garantiert einen verlässlichen Standpunkt.
Unser Grundgesetz ist einst für Krisenzeiten erdacht worden. Die schlauen Verfassungsmütter und – Väter mit ihrer schlechten Erfahrung aus zwölf Jahren Diktatur haben das hervorragend gemacht.
Irgendwann und nicht in allzu großer Ferne muss noch ein neuer Haushalt her, damit der öffentliche Betrieb weitergeht. Ansonsten brennt innenpolitisch derzeit noch nichts an, auch wenn es nicht ewig so weitergehen kann. Alle haben Zeit, etwas länger nachzudenken, bevor der nächste Aufreger in die Welt gesetzt wird.
Vielleicht werden wir uns Ende 2018 dankbar an diese eher ruhigen Monate erinnern.
Was bleibt von 2017? Vielleicht die Erkenntnis, nicht immer alles gleich für eine Katastrophe zu halten, nur weil sich etwas ändert oder irgendetwas nicht klar geregelt ist.
Die Welt ist voller Gefahren. Das ist keine neue Erkenntnis.
Sie ist aber auch voller Möglichkeiten, die Dinge voranzubringen, frei nach Erich Kästner Satz: » auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden kannst du etwas Schönes bauen.«
In diesen Zeiten ist jeder von uns gefordert genau zuzuhören, selbst zu denken und nicht kritiklos alle Erkenntnisse dem Internet zu entnehmen.
Gesunder Menschenverstand und kritisches Hinterfragen, angesichts der Flut von angeblich einfachen und schnellen Lösungen komplexer Probleme, von »fake news« und der Verrohung in den sozialen Netzwerken, die uns täglich präsentiert und suggeriert werden.

Eigenes Engagement, Interesse und Teilnahme im und am öffentlichen Leben sind wichtig für unsere Demokratie, auch im Kleinen, auch in unserer Gemeinde.
Über die Teilnahme und das Interesse von Bürgern an unseren Gemeinderatssitzungen freuen wir uns. Wir wünschen uns diese aber nicht nur dann, wenn gerade einmal ein Tagesordnungspunkt für einzelne Bürger von besonderem Interesse ist, weil sie sich unmittelbar selbst betroffen fühlen, wie beim Thema Funkmast. Dessen Bau hat der Gemeinderat durch den Beschluss zum Abschluss eines Mietvertrages mit dem Betreiber am letzten Donnerstag nun ermöglicht.
Wir wünschen uns, dass interessierte Bürger während der gesamten Sitzung präsent sind und nicht nach Abschluss des für sie persönlich wichtigen Tagesordnungspunktes fluchtartig den Sitzungssaal verlassen.
Man besucht ja auch nicht ein Konzert nur für ein einzelnes Musikstück oder bricht ein gemeinsames Essen nach der Vorspeise ab und verlässt die Gesellschaft, weil man auf den Rest keine Lust mehr hat oder sehe ich das so falsch?
Alle Themen, die wir auf der kommunalen Ebene beraten und beschließen, haben schließlich unmittelbare Auswirkungen auf den Ort und seine Einwohner.
Wir möchten, dass Sie wissen, was wir in unserer Gemeinde tun und wie wir es tun. Wir versuchen dabei transparent zu sein und die Bürger zu beteiligen.
Es ist uns wichtig, dass Sie, unsere Bürger verstehen, dass wir bei unseren Entscheidungen die Gesamtheit der Einwohnerschaft im Blick behalten müssen und wir es dabei niemals allen recht machen können.
Dieses Ringen um Entscheidungen auf der untersten politischen Ebene in der Gemeinde, wie auf der obersten politischen Ebene zur Bildung einer Regierung ist mühsam und es geht langsam, gerade weil immer wieder Kompromisse ausgehandelt werden müssen. Manchmal geht es zwei Schritte vor und wieder einen zurück.
Aber im Ergebnis haben wir in unserer Gemeinde und in unserem Land, innerhalb unserer freiheitlich-demokratischen Außenmauern und auf dem Fundament unserer im Vergleich mit anderen Ländern wirklich hervorragenden Verfassung, uns doch immer vorwärtsbewegt und weiterentwickelt. Das bedeutet gleichzeitig nicht, dass es nicht noch Verbesserungsbedarf gäbe.
Ehrenamtliches Engagement als Möglichkeit der Teilhabe ist gefragter und notwendiger denn je. Aber auch hier muss der Politik bewusst sein, dass das Ehrenamt nicht das Hauptamt immer mehr ersetzen soll und kann.
Der Gemeinderat in Mertesdorf vergibt seit 2009 beim Neujahrsempfang den Ehrenamtspreis und will damit öffentlich deutlich machen: wirklich mündige Bürgerinnen und Bürger übernehmen Verantwortung. Sie warten nicht darauf, dass andere handeln. Sie bringen Steine ins Rollen, sie sehen, wo aus unterschiedlichsten Gründen Ideen, Engagement und Hilfe gebraucht werden und sie handeln und helfen.
Sie stärken die Gemeinschaft und zeigen, wir sind für einander da und wollen für einander einstehen, mit allem Respekt dem jeweils anderen gegenüber.
Solche Menschen haben wir heute viele hier im Saal, Menschen, die sich einbringen. Das reicht vom wöchentlichen offenen Seniorentreff, über das Engagement in unseren verschiedenen sportlich ausgerichteten Vereinen, der Feuerwehr, von der Bücherei und dem Vorleserdienst, die sich bald im Bürgerhaus in neuen Räumen wiederfinden werden, von der Gemeindepartnerschaft, die uns den wichtigen Blick über unsere eigenen Grenzen ermöglicht, von der Organisation von Martinsmarkt und Martinszug, von Konzerten, vom Engagement in der Flüchtlingsarbeit, in der Kirche, im sozialen Bereich bis hin zur Tätigkeit in den politischen Gremien im Gemeinderat.

Eine von diesen Menschen zeichnen wir heute besonders aus.

Liebe Frau Busemeyer, ich als Ortsbürgermeisterin möchte da den Finger besonders auf ihr kommunalpolitisches Engagement legen.
Ich habe es schon in der letzten Gemeinderatssitzung gesagt: ich glaube, es gibt niemand in Mertesdorf, der an so vielen Ratssitzungen teilgenommen hat, wie Sie. Jedes Thema war ihnen Wert zu erscheinen und es kritisch zu hinterfragen. Sie waren permanent vor Ort, eben nicht nur, wenn ein Punkt für Sie persönlich von besonderem Interesse war.
Dabei ist längst nicht alles Friede, Freude Eierkuchen, wir sind also längst nicht immer einer Meinung mit Ihnen oder Sie mit uns oder einigen von uns.

Allerdings: Ihre kontinuierliche Präsenz drückt auch eine grundsätzliche Wertschätzung für das Engagement eines jeden Ratsmitglieds aus, welches ehrenamtlich seine Zeit in den Dienst der Allgemeinheit stellt.
Angesichts der Komplexität und Schwierigkeit der Themen, mit denen sich heute ein Gemeinderat zu beschäftigen hat, ist diese Engagement nicht selbstverständlich.
Solches Interesse, wie von Ihnen gezeigt, tut sowohl den Personen, als auch dem politischen Mandat, das diese übernommen haben, gut.

Gerade auch das kommunalpolitische Ehrenamt benötigt Unterstützung und Resonanz, durch Interesse an der Arbeit aus der Bevölkerung heraus. Das ist nötig, damit wir auch in Zukunft noch Menschen finden können, die sich zur Wahl in ein kommunales Gremium zur Verfügung stellen.
Gefährlich wird es für die kommunale Selbstverwaltung und letztlich die Demokratie, wenn alle denken, lass die nur machen oder was, die schon wieder gemacht haben oder was die endlich machen müssten- , ohne dass der Einzelne sich wirklich eigene Eindrücke und Informationen verschafft. Die Einstellung, es geht schon weiter, oder ich ändere eh nichts stellt sich ein.
Dass das nicht so ist, hat das Jahr 2017 uns sehr deutlich gezeigt.

Ich lade sie liebe Mertesdorfer alle ein, uns bei den Ratssitzungen zu besuchen. Dort kann es durchaus spannender sein, als den Abend zu Hause am Fernseher zu verbringen.
Wie sagt Theodor Fontane: »Der Anfang ist immer das entscheidende...«
Im Ehrenamt, egal an welcher Stelle, ist es nicht immer leicht, den richtigen Ton zu treffen im Umgang mit den vielen Menschen, ihren Meinungen und Emotionen, in den vielen verschiedenen Situationen auf die wir als ehrenamtlicher im jeweiligen Umfeld treffen. Entscheidend ist aber, sich in Bewegung zu setzen, anzufangen....
In Bewegung sind in Mertesdorf Gott sei Dank viele Menschen: wie sonst wäre es möglich, meine Damen und Herren, das aus ehrenamtlichem Engagement heraus die Sternsinger zum 52. Mal in großen Gruppen durch den Ort gezogen sind, zum 42. Mal ein Basar stattfand, die Gemeindepartnerschaft mit St. Just-la-Pendue ins 22. Jahr geht, die Bücherei seit 36 Jahren betreut wird, ganz zu schweigen vom Engagement aller unserer anderen Ortsvereine, die meist noch viel länger bestehen und ihrer Mitglieder.
Und auch dazu passt noch ein »steiniger Spruch«, nämlich: » Der Vorsatz allein sprengt keinen Stein.«
Dafür, meine sehr geehrten Damen und Herren Ehrenamtliche, dass es bei Ihnen allen nicht beim Vorsatz geblieben ist, sondern die Tat folgte, und sie damit viel bewegt haben und noch bewegen, dafür gebührt Ihnen hier und heute mein und unser aller Respekt. Respekt für, ihr Können, ihre Motivation und das Durchhaltevermögen.
Ihnen, liebe Frau Busemeyer, sagen wir in diesem Jahr mit dem Ehrenamtspreis besonders Dankeschön.
Der Gemeinderat hat beschlossen und man kann es angesichts ihres hohen Lebensalters so sagen – ihr ehrenamtliches Lebenswerk- auszuzeichnen. Das werden wir im Anschluss tun.
Wir leben in einer Zeit der Krisen, des Wandels und des Umbruchs. Demokratie bleibt für uns alle anstrengend, aber sie ist auch jede Anstrengung wert.

Meine Damen und Herren,

»Der Anfang ist immer das entscheidende. Hat man es darin gut getroffen, so muss auch der Rest gelingen.«
In diesem Sinne erhebe ich mein Glas und wünsche ich uns allen Gottes Segen für ein gesundes, erfolgreiches und glückliches neues Jahr 2018.

Zum Wohl!
Es gilt das gesprochene Wort.