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Zukunftswerkstatt Mertesdorf

Ideen für die Zukunft von Mertesdorf

TV Bericht Trier 27. Juni 2012
In Mertesdorf hat ein Planungsbüro eine 2011 in Auftrag gegebene Konzeptstudie zur Dorfentwicklung präsentiert. Die Planerin schlägt vor, das Dorfbild durch eine Bau- und Gestaltungssatzung zu schützen. Die mögliche Betriebsansiedlung eines Abfallentsorgungsunternehmens bewertet die Expertin positiv.
Mertesdorf. Wohin soll die Reise für den Ruwerort gehen? Wie sollte ein Konzept zur Dorfentwicklung aussehen? Welche Auswirkungen hätte die Betriebsverlagerung des Zweckverbandes Abfallwirtschaft im Raum Trier (ART) nach Mertesdorf? Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, hatte die Gemeinde das Kanzemer Planungsbüro Vollmuth mit einer Konzeptstudie beauftragt. Die Idee für die Studie, die im Rahmen einer Dorfmoderation entstehen sollte, war die heftige örtliche Diskussion über die mögliche ART-Umsiedlung von Trier nach Mertesdorf.
Als Planerin Rosa Vollmuth am Dienstag ihr fertiges Konzept präsentierte, waren etwa 30 Mertesdorfer ins Bürgerhaus gekommen. Eine Diskussion um die mögliche ART-Verlagerung gab es diesmal nicht. Auch Fragen wurden nicht gestellt. Dabei stehen inzwischen zwei Ansiedlungsalternativen zur Diskussion: Standort eins ist eine Ackerfläche rechts der B 52 hinter dem Mitfahrerparkplatz. Dort hat der ART bereits zwei Hektar Fläche gekauft und sich weitere Vorkaufsrechte gesichert. Neue Überlegungen tendieren zu einer ART-Ansiedlung direkt auf dem Gelände der ehemaligen Mülldeponie (der TV berichtete). Diese Variante hätte nach Auffassung von Planerin Rosa Vollmuth einen entscheidenden Vorteil für den ART selbst. Vollmuth: "Die dort heute schon zum Heizen genutzten Deponiegase könnten auch das neue Verwaltungsgebäude mit Energie versorgen - ein enormes Einsparpotenzial. Außerdem würden die Mittel, die der Gemeinde aus der Gewerbesteuer zukämen, vervielfacht, denn die die Gemeinde könne dann Fördermittel aus der Dorferneuerung beantragen.

Ideen zum Erhalt des Ortsbilds

Die Ängste vieler Bürger gegen eine ART-Ansiedlung nimmt die Planerin ernst. Die Sorgen hätten sich aber als haltlos erwiesen, sagt sie. Käme der ART auf das Deponiegelände, würde weder die Erholung beeinträchtigt noch das Landschaftsbild zerstört.
Eine endgültige Standortentscheidung des ART steht bekanntlich noch aus. Dazu Ortsbürgermeisterin Ruth Wilhelm: "Für Mertesdorf ist es begrüßenswert, wenn sich der ART dort ansiedelt. Und der Standort würde die Situation beruhigen."
Unabhängig von der ART-Frage enthält die Studie auch richtungsweisende Ideen für die Ortsentwicklung. So sollte eine Solarsatzung für den ortsbildprägenden Erhalt der dunklen Schieferdachflächen sorgen. Eine Bau- und Gestaltungssatzung könnte architektonische Verirrungen bei der Altbausanierung verhindern. Auf 90 Seiten hat Rosa Vollmuth festgehalten, was sie in Mertesdorf alles bewegen will. Einer ihrer Vorschläge: Die Bücherei ins Gemeindehaus verlegen und zusätzlich ein Café dort einrichten. Grundstücke könnten untereinander getauscht und alte Scheunen abgerissen oder umfunktioniert werden. Neue Freiflächen und Parkmöglichkeiten wären das Ergebnis. Auch Gemeinschaftsgärten oder eine Dorfwerkstatt für ehrenamtliche Projekte seien vorstellbar.
Meinung
Die Ruhe könnte trügen

Ist der Mertesdorfer Streit um das Für und Wider eines ART-Betriebshofs wirklich beigelegt? Die derzeitige Ruhe könnte trügen. Im Herbst 2010 war es zu heftigen Diskussionen gekommen, die sich bis in die Arbeitskreise der nun abgeschlossenen Dorfmoderation hineinzogen. Sollte sich das Entsorgungsunternehmen doch noch für den ursprünglich angepeilten Standort am oberen Ortsrand entschließen, dürfte die Debatte wieder in vollem Umfang entflammen - zu groß sind die Meinungsgegensätze im Ort, zu tief inzwischen die Gräben. Umgekehrt wird aber auch ein Schuh daraus, falls sich der ART für die Lösung auf dem bestehenden Deponiegelände entschließt. Wer aus den Mertesdorfer Reihen auch dagegen die Stimme zum Protest erhebt, der muss sich zu Recht als unverbesserlicher Neinsager und Prinzipienreiter katalogisieren lassen. f.knopp@volksfreund.de